Ziegler

Im kirchlichen Jahreskreis sind wir mit November und den Totengedenktagen am Ende angelangt, am Ende eines immer wiederkehrenden Jahresablaufes mit den dazugehörenden Ritualen und Festtagen, aber auch deutlich sichtbar, einem „Ende“ in der Natur. Das Blühen, Wachsen und Gedeihen ist mit der Ernte der Früchte, dem Verwelken der Blumen und dem Abfallen des Laubes zu Ende gekommen. Alles Leben kommt zur Ruhe oder scheint zu ersterben. Und doch wissen wir, dass die Natur nur Kraft sammelt, um neu auszutreiben und erneut zum Leben zu erwachen.

Dieses von Rudi Carrell 1975 gesungene Lied ist eines meiner Kindheitserinnerungen. Und er sang uns seinen Text damals tief ins Herz. Wir hatten als Kinder das Gefühl, immer wenn die Ferien kommen, regnet es in Strömen, und wenn wir in der Schule sitzen müssen, ist Freibadwetter. Es war ein Sehnen nach Verzicht auf Pullover und Regenschirm, ein Sehnen nach wohliger Wärme auf der Haut, nach Sonnenschein, der sich beständig hält. Nun ja, das haben wir jetzt!!!

"Steh auf und iss! Denn du hast einen weiten Weg vor dir!" Diese Worte aus dem Alten Testament (1. Könige 19,7) sagt ein Engel zum Propheten Elia. Dieser hat sich unermüdlich für seinen Gott eingesetzt und damit den Zorn eines ganzen Volkes auf sich gezogen, sogar so sehr, dass sein Leben in Gefahr ist und er verfolgt wird. Elia flüchtet in die Wüste. Er kann nicht mehr, ist erschöpft, mutlos und will eigentlich nur noch sterben. Unter einem Ginsterstrauch liegend wird er von einem von Gott gesandten Engel berührt, der zu ihm sagt: „Steh auf und iss!

In diesem alten Kirchenlied der Adventszeit von Paul Gerhardt aus dem Jahr 1653 (EG 11) erzählt der singende Beter, wie er Trost, Heilung, Lebenshoffnung und Liebe in Jesus fand. Diese Erfahrung möchte er auch den anderen zugutekommen lassen. Sie sollen ebenfalls Ruhe und Seelenfrieden finden, indem sie diesem Gast die Tür ihrer Herzen öffnen. Ja, „Lieber Jesus, sei unser Gast …“  Prinzipiell haben wir gerne Gäste! Aber die richtigen müssen es sein!

„Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde: …“, so beginnt das dritte Kapitel des weisheitlichen Buches im Alten Testament mit Namen Prediger Salomo bzw. Kohelet. „Geboren werden hat seine Zeit, sterben hat seine Zeit; pflanzen hat seine Zeit, ausreißen, was gepflanzt ist, hat seine Zeit; … weinen hat seine Zeit, lachen hat seine Zeit; klagen hat seine Zeit, tanzen hat seine Zeit; … Und mir liegt auf der Zunge: Auch unsere Zeit wird wieder kommen! Die Zeit, das zu tun, was unser Bedürfnis ist. Z. B.

Angedacht - Winterschlaf – oder das Flüstern Gottes? mws.admin Di, 11/17/2020 - 08:42

November – mit allem, was dazu gehört: Nebel, dunkel, nasskalt, Totengedenktage … und neu oder immer noch und wieder: Corona. Ich glaube, keiner kann es so richtig gut mehr hören. Vielleicht ging es Ihnen auch schon wie mir. Am liebsten, so dachte ich, ziehe ich morgens die Bettdecke über den Kopf, mache Winterschlaf und wache im Frühjahr wieder auf, wenn alles neu zum Leben erwacht und gut ist. Eine Bekannte nahm mir bei dieser Schilderung jegliche Illusion, sie sagte: „Und dann ist doch wieder alles beim Alten.“  Ja, schon. Aber … „Schlaf doch mal drüber!“, heißt eine Weisheit.

Angedacht - mws.admin Mo, 02/10/2020 - 10:56

Vor kurzem las ich in der Main-Post einen Artikel vom Theologen Lilie, der die Überschrift hatte: „Jesus hatte Freunde und keine Follower“. Lilie ließ sich darüber aus, dass das neumoderne „folgen“ und „liken“ von Personen, die wegen irgendwelcher Modetipps, Karaoke-Gesängen oder Lebensstilen ins Zentrum der Betrachtung kommen, fragwürdig mit dem Begriff „Freunde“ (womöglich fürs Leben?!) zusammengebracht werden können. Er behauptete, Jesus hätte es da besser getroffen, er hätte Freunde gefunden. Ich frage: Ist es so?

Jede Zeit hat ihre Sprache, so sagt man. Das neueste Wort, das mir vor kurzem morgens aus dem Radio entgegen tönte, war „niksen“.  Ein Begriff, so habe ich gelernt, der aus dem Holländischen kommt und so viel bedeutet wie „Nichtstun“, „Rumhängen“. Warum ich da hängen geblieben bin? Na ja, Sie wissen ja, es sind Sommerferien. FERIEN! Frei sein von der Schule, der Arbeit, den Pflichten… Wir alle wissen, dass wir so eine Frei-Zeit brauchen - schon Gott ruhte am siebten Tage von seiner Arbeit und empfahl das seinen Menschenkindern ebenso zu halten!

In der Bibel finden wir in den sogenannten „Sprüchen Salomos“ viele alte Weisheiten und Sinnsprüche, die bereits damals und eben heute immer noch ihre tiefe Bedeutung haben. Da stehen so Dinge wie: „Die Worte mancher Leute sind wie Messerstiche; die Worte weiser Menschen bringen Heilung.“ (Spr. 12,18).

Und es gibt eine längere Passage, in der die „Sophia“, die Weisheit, selbst zu Wort kommt und eindringlich zu den Menschen spricht, ja sogar laut ruft. (Spr. 8, 32-36)

„Herr, höre meine Bitte, leih´ mir dein Ohr und höre, was ich dir sagen will. Ich sage alles frei und ohne Umschweife; und dann rede du und sag´ mir, was richtig ist…“

Der Beter des Psalm 17 sucht in seiner Not einen Ansprechpartner, der sich ihm zuwendet, ihm zuhört und mit ihm abwägt, was nun richtig ist, getan zu werden. In dieser Verzweiflung wird deutlich, wie kostbar es ist, jemanden zu haben, der sich Zeit nimmt und wirklich zuhört.