"Wort vom Wochenende" - der geistliche Impuls aus der Regionalausgabe der Mainpost

Für die Regionalausgabe Rhön-Grabfeld der Zeitung "Mainpost" verfasst jede Woche eine Person aus der evangelischen oder katholischen Kirche einen kurzen geistlichen Impuls als "Wort zum Wochenende". Wir veröffentlichen die Texte hier mit kleiner Verzögerung und lassen der Mainpost damit den Vortritt. Weitere "Worte zum Wochenende" kann man auf der homepage www.mainpost.de mit der Suchfunktion finden.

Für das Wochenende ab 30. Oktober schrieb Andreas Werner, Pfarrer der Evang.-Luth. Pfarrei Emmaus (Mellrichstadt, Mühlfeld, Sondheim im Grabfeld und Bahra):

Liebe Leserin, lieber Leser,

am 31.Oktober ist der Reformationstag. In diesem Jahr ein Samstag. Viele finden das sehr schade, denn Feiertage am Wochenende sind ja so „lala“. Mariä Himmelfahrt und der 3. Oktober waren diesmal auch schon samstags!  Ach ja: Brückentage! Dafür sind die kirchlichen Feiertage auch ganz gut zu gebrauchen, da sie relativ oft an Donnerstagen sind. 40 Tage bzw. 60 Tage nach dem Ostersonntag. Welche? Nein, das schauen Sie jetzt mal selbst nach. In allen ostdeutschen Bundesländern, wo nach aktuellen Erhebungen weniger als 15% der Bevölkerung einer evangelischen Kirche angehören, ist der Reformationstag gesetzlicher Feiertag. Aber auch in Bremen (26% Evangelische), Hamburg (19%), Niedersachsen (37%) und in Schleswig-Holstein (36,5%). Wenn man also am 31. Oktober shoppen will, sollte man achtgeben, in welches Bundesland man fährt. Und Allerheiligen am 1. November ist dann also in diesem Jahr an einem Sonntag. Erst im Schaltjahr 2028 wird es dann wieder etwas arbeitnehmer- und konsumfreundlicher. Dienstag und Mittwoch. 

Seltsam, dass der evangelische Reformationstag und das eher katholische Allerheiligenfest so direkt aufeinander folgen, oder? Aber die haben schon miteinander auch zu tun. Zu Luthers Lebzeiten befand sich in der Schlosskirche zu Wittenberg eine der größten Reliquiensammlung nördlich der Alpen. Über 19.000 Exponate hatte Friedrich der Weise zusammengesammelt. Und an Allerheiligen wurde die Schlosskirche regelrecht von Pilgern überrannt. Man versprach sich vom Besuch der Reliquien göttliche Gnade. Aber auch Zehntausende von Menschen, die in Wittenberg und Umgebung übernachteten, aßen und tranken, etwas kauften und somit ihr Geld in der Stadt ließen. Luther entdeckte aber im Römerbrief des Apostel Paulus, dass Gottes Gnade ein bedingungsloses Geschenk ist (Röm 3, 21-28). Auch deshalb hingen am Vorabend zu Allerheiligen 1517 rund um die Schlosskirche seine 95 Thesen sichtbar aus. Initialzündung der Reformation. Welchen Stein er da ins Rollen brachte, wusste der junge Mönch wahrscheinlich damals nicht.

Ich vermute, dass heutzutage eine deutliche Mehrheit in unserer Bevölkerung sowohl mit dem Reformationstag als auch mit Allerheiligen nichts anzufangen wissen, weil sie mit Kirche nichts oder nur wenig anfangen können. Deutliches Zeichen dafür ist immer, wenn dann das ursprüngliche Kirchenfest „gekapert“ wird. Weihnachten wird zum Fest der Lichter und der Liebe, Ostern zum Frühlingserwachen und Hasenfest, Christi Himmelfahrt zum Vatertag, für Pfingsten hat man Urlaub gebucht und am 31.10. ist Halloween. Wenn Sie aber mehr wollen: kein Problem! Besuchen Sie an diesen Tagen einen Gottesdienst.