"Wort vom Wochenende" - der geistliche Impuls aus der Regionalausgabe der Mainpost

Für die Regionalausgabe Rhön-Grabfeld der Zeitung "Mainpost" verfasst jede Woche eine Person aus der evangelischen oder katholischen Kirche einen kurzen geistlichen Impuls als "Wort zum Wochenende". Wir veröffentlichen die Texte hier mit kleiner Verzögerung und lassen der Mainpost damit den Vortritt. Weitere "Worte zum Wochenende" kann man auf der homepage www.mainpost.de mit der Suchfunktion finden.

Für das Wochenende ab 6. Februar 2026 schrieb Stefan Wurth, evang. Bildungsreferent, Ostheim v.d.Rhön:

Liebe Leserin, lieber Leser,

das Kreuz ist bekanntermaßen das zentrale Symbol des christlichen Glaubens.
Es steht für… - Ja, was würden Sie sagen, für was eigentlich? -

Auf Jesu Tod am Kreuz folgte jedenfalls die Auferstehung, Gott sei Dank. Er ließ die Gewalt der Täter ins Leere laufen und bestätigte Jesu Botschaft: Liebe zu Gott heißt Liebe zum Nächsten heißt Liebe zu mir selbst. Der barmherzige Vater, wie Jesus ihn verkündet, verbindet mich mit allen anderen Menschenkindern. Im Kreuz steckt also auch die Zusage, dass wir alle gleichermaßen den direkten Draht zum Weltenschöpfer nutzen dürfen.
Pfeifen können wir deshalb auf alle, die sich an seiner statt als irdische Auserwählte, Retter oder Führer aufspielen. Dennoch: Viele protestantische Kirchenleute waren Prediger der Nazidiktatur, als auf Demokratieverachtung Menschenvernichtung folgte. Aus der Volksvergötterung und ihren grauenvollen Konsequenzen sind wir in Deutschland hoffentlich bis in alle Zukunft klüger geworden. 

 

 

Es ist schon ein Kreuz mit der Menschenfreundlichkeit: Nächstenliebe kann ungemütlich werden. Unser irdisches Miteinander ist kein Zuckerschlecken und braucht weder Harmoniegesäusel noch Einheitsgeschwätz. Zuversichtlich sollten wir all die bestehenden Interessenskonflikte und Meinungsverschiedenheiten austragen (stets aber erleuchtet durch gegenseitige Achtung!). Freudig sollten wir einwilligen in Kompliziertheiten und zeitraubende Beratungen, die bis auf Weiteres in Kompromissen enden.
Bis heute tauchte doch aus allem Ringen der Kräfte um Macht keine bessere Form auf, mit der Staat zu machen wäre, als die gute alte Demokratie. Immer jung soll sie bleiben! Lernbegierig auf eine bessere Zukunft hin! Menschenfreundlich aktiv für Gleichberechtigung und Minderheitenschutz! Risikobereit, für Grundrechte über den eigenen Schatten zu springen!
Vielleicht so ist zu verstehen, warum die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern jetzt, im Vorfeld der Kommunalwahlen, Plakate hängt mit der Absichtserklärung: „Unser starkes Kreuz für die Demokratie“. Verbündete erwünscht.