"Wort vom Wochenende" - der geistliche Impuls aus der Regionalausgabe der Mainpost

Für die Regionalausgabe Rhön-Grabfeld der Zeitung "Mainpost" verfasst jede Woche eine Person aus der evangelischen oder katholischen Kirche einen kurzen geistlichen Impuls als "Wort zum Wochenende". Wir veröffentlichen die Texte hier mit kleiner Verzögerung und lassen der Mainpost damit den Vortritt. Weitere "Worte zum Wochenende" kann man auf der homepage www.mainpost.de mit der Suchfunktion finden.

Für das Wochenende ab 25. September schrieb Thomas Menzel, Teampfarrer im Pastoralen Raum Mellrichstadt:


Liebe Leserin, lieber Leser,

auch wenn Kirche, Politik, Wirtschaft auf den ersten Blick ganz unterschiedliche Bereiche sind, so gibt es doch viele Gemeinsamkeiten. Überall Krisenstimmung. Überall berechtigte Sorgen und Zukunftsängste. Und überall der wehmütige Blick zurück auf die „gute alte Zeit“. Und so sollte es am besten wieder werden. So schnell wie möglich die vertrauten Strukturen, Gewissheiten und Lebensweisen wiederherstellen.

Warum nur wird hier so oft vergessen oder verdrängt, dass die Welt heute eine völlig andere ist? Politisch, technologisch, wirtschaftlich, gesellschaftlich, kulturell, kirchlich, religiös und lebensweltlich. Von daher kann es doch nicht ernsthaft eine Option sein, zum Status quo von früher zurückzukehren.

Die andere Option wäre, sich nicht an einer vermeintlichen Sicherheit und Stabilität festzuklammern, sondern den Wandel aktiv zu gestalten – mit all den Risiken und Unsicherheiten, die damit verbunden sind.

Und ja, überall gibt es Gruppen, die uns versprechen, wir bräuchten uns gar nicht zu verändern, sondern könnten so weitermachen wie bisher. Noch dazu, weil die Verantwortung für all die Probleme gar nicht bei uns liegt. Schuld sind ja immer die anderen! Das mag gut klingen, ist aber gefährlich, weil es uns nur noch weiter in die Krise treibt.

Es gibt die Wahl zwischen Veränderungen heute mit starken Einschnitten oder Veränderungen später mit noch viel größeren Einschnitten in der Zukunft. Leider es ist so, dass der Mensch erst dann für tiefgreifende Veränderungen bereit ist, wenn er so richtig mit dem Rücken zur Wand steht. Muss unsere Situation – in Kirche, Politik, Wirtschaft, etc. - wirklich noch deutlich schlechter werden, bevor wir erkennen, dass wir uns verändern müssen?

Wenn wir nicht umdenken, wird Lähmung und Depression weiter bestehen bleiben. Und das ist nicht allein die Verantwortung „der da oben“, sondern liegt in der Verantwortung aller.