Für die Regionalausgabe Rhön-Grabfeld der Zeitung "Mainpost" verfasst jede Woche eine Person aus der evangelischen oder katholischen Kirche einen kurzen geistlichen Impuls als "Wort zum Wochenende". Wir veröffentlichen die Texte hier mit kleiner Verzögerung und lassen der Mainpost damit den Vortritt. Weitere "Worte zum Wochenende" kann man auf der homepage www.mainpost.de mit der Suchfunktion finden.
Für das Wochenende ab 29. Mai 2026 schrieb Pfarrer Florian Mucha, Aubstadt:
Liebe Leserin, lieber Leser,
ein Pfingsten ohne Pfingstrosen: So erinnert Heribert Prantl in der Süddeutschen Zeitung an die sogenannte „Pfingstschlacht“ in Wackersdorf 1986. Zehntausende protestierten kurz nach der Tschernobyl-Katastrophe gegen den Bau der atomaren Wiederaufbereitungsanlage. Der Staat antwortete mit Härte. Reizgas aus Wasserwerfern und Hubschraubern, Hunderte Verletzte, darunter Kinder und Senioren – es war ein Lehrstück politischen Versagens, schreibt Prantl, weil die Staatsgewalt – die Betonung liegt diesmal hinten – gegen die Demonstranten die Spirale der Gewalt so weit drehte, dass dutzende Polizisten den Dienst verweigerten. Politik und Bevölkerung sprachen nicht dieselbe Sprache: Hier Fortschritt und Arbeitsplätze, dort Angst vor Atomunfällen und einer Zukunft der Region als ewige Atommülldeponie.
Was lernen wir daraus?
Gewalt ist kein Ersatz für Dialog zwischen Politik und Bevölkerung. Pfingsten dagegen steht eben genau dafür: Für Verständigung. Plötzlich sprechen alle dieselbe Sprache! Der Heilige Geist ist heute jedoch keine Übersetzer-App, sondern er verbindet Herzen. Gottes Geistkraft schenkt Empathie, damit ich die Angst des anderen spüre, seine Hoffnungen verstehe. Verständigung beginnt nicht im Kopf, sondern im Herzen. Wo Menschen dies beachten, eskalieren Konflikte nicht. Die Zeit und Aufmerksamkeit dafür, also vielmehr füreinander, ist gut investiert und erspart hinterher viel Ärger. Und genau so soll Kirche eigentlich sein: Eine Gemeinschaft der Verständigung der Herzen, um gemeinsam Gutes bewirken zu können. Lasst uns diese Geistesgabe fröhlich nutzen!