"Wort vom Wochenende" - der geistliche Impuls aus der Regionalausgabe der Mainpost

Für die Regionalausgabe Rhön-Grabfeld der Zeitung "Mainpost" verfasst jede Woche eine Person aus der evangelischen oder katholischen Kirche einen kurzen geistlichen Impuls als "Wort zum Wochenende". Wir veröffentlichen die Texte hier mit kleiner Verzögerung und lassen der Mainpost damit den Vortritt. Weitere "Worte zum Wochenende" kann man auf der homepage www.mainpost.de mit der Suchfunktion finden.

Für das Wochenende ab 25. September schrieb Bruder Korbinian Klinger, Guardian des Franziskanerkloster Kreuzberg:

Liebe Leserin, lieber Leser,

an diesem Sonntag feiern wir Franziskaner und alle Freundinnen und Freunde des Hl. Franziskus dessen 800. Todestag. Darum ist er in diesem Jahr fast allgegenwärtig. Aber wer ist er denn wirklich, so für mich? 

Wenn ich auf meine langen Jahre im Franziskanerorden zurückblicke, hat sich die Antwort öfters verändert. Da war der Ausbrecher aus der Gesellschaft seiner Zeit; der, der der Kirche einen Spiegel vorhielt; der Naturverbundene und Friedensbringer. Dann fand ich mich wieder in ihm als den total verunsicherten, der um seine Berufung ringt und durchringt zum Spielmann Gottes, der Dichter des Sonnengesanges. Ich könnte noch manche Schlagworte aufzählen. Was sich aber für mich wie ein roter Faden in seinem wie meinem Leben durchgezogen hat ist seine Jesusbeziehung, geprägt von seiner Berufungserfahrung vor dem Tafelbildkreuz in San Damiano bis zum Sichtbarwerden durch die Stigmata.

Diese Erinnerung in Verbindung mit seiner allumfassenden Armutssuche wird für mich bei vielen Wallfahrten hier auf dem Kreuzberg lebendig. Viele tragen als Wallfahrtskreuz das T(au)-Kreuz. T(aw) ist der letzte und kleinste Buchstabe im hebräischen Alphabet. Es bildet wohl die ursprüngliche Form des Kreuzes ab, die INRI-Tafel des Pilatus schuf die uns so vertraute Kreuzform. Für Franz war das T genau das richtige Zeichen, um Menschen und Gegenstände damit segnend zu bezeichnen. Sich unter das Kreuz stellen heißt: sich hineinnehmen lassen in Leben, Tod und Auferstehung Jesu.