Kirchenleute lernen was über Direktsaat und digitalisierte Landwirtschaft: Konvent des Ev.-Luth. Dekanates Bad Neustadt bei Dörr-Agrar

Evang.-Luth. Dekanatsbezirk Bad Neustadt an der Saale: Konvent der Hauptamtlichen am 16.7.2026 bei Dörr-Agrar
Bildrechte Evang.-Luth. Dekanatsbezirk Bad Neustadt an der Saale

Bad Neustadt/Oepfershausen. Der Betriebsausflug nennt sich beim Evangelisch-Lutherischen Dekanatsbezirk Bad Neustadt an der Saale in kirchlicher Tradition „Konvent“, also Zusammenkunft. Dieses Jahr fand diese in Oepfershausen/Thüringen bei Dörr-Agrar mit einer Betriebsführung statt. Das landwirtschaftliche Unternehmen ist zwar in Ostheim vor der Rhön beheimatet, bewirtschaftet seit Längerem jedoch überwiegend ausgedehnte Flächen (ca. 1.400 ha) um Oepfershausen herum. Und dort gab es am Standort Einiges zu Sehen und zu Hören, was die kirchlichen Mitarbeitenden überraschte und beeindruckte. Andreas Dörr, neben Vater Hubert Dörr in der Führung des Familienunternehmens verantwortlich, leitete die Besuchergruppe zunächst ausführlich über die Hofanlage und informierte dann in einem Wirtschaftsgebäude durch eine Präsentation vertiefend mit zahlreichen Fotos und Schaubildern. Kernthemen dabei waren zum einen die Anbaumethode der Direktsaat - man spricht von „regenerativer Landwirtschaft“ -, zum anderen die Möglichkeiten der digitalisierten Landwirtschaft. Seit 2022 hat der Betrieb auf großen Flächen auf Direktsaat umgestellt. Dabei wird der Ackerboden nach der Getreideernte nicht tiefgründig bearbeitet, als gepflügt, geeggt usw, sondern es wird direkt in die Stoppeln eine Zwischensaat ausgebracht. Mehrere Vorteile ergeben sich dadurch, z.B. liegt der Boden nie offen und aufgelockert da, wenn Starkregen darauf heruntergehen. Bodenabschwemmung und Verlust der fruchtbaren Erde findet dann nicht mehr statt. Außerdem werden die Gänge der Regenwürmer, die in die Tiefe führen, nicht mehr zerstört, so dass Regenwasser darin besser versickern kann und der Boden tiefgründig feucht bleibt. Weniger Bodenbearbeitung spare zudem Arbeitszeit und Maschinennutzung und damit Kraftstoffverbrauch, so Andreas Dörr. In der Konsequenz müsse jedoch die Zwischenfrucht rechtzeitig zur Aussaat der Hauptfrucht (Getreide) mit chemischen Mitteln (Glyphosat) zum Absterben gebracht werden, damit Platz werde für die eigentliche Ertragsfrucht. Insgesamt sei es eine Abwägung zwischen Vor- und Nachteilen, die sich bisher jedoch bewährt habe. 

Evang.-Luth. Dekanatsbezirk Bad Neustadt an der Saale: Konvent der Hauptamtlichen am 16.7.2026 bei Dörr-Agrar
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Die hauptamtlichen Mitarbeitenden des Evang.-Luth. Dekanatsbezirks Bad Neustadt an der Saale wurden am 16.7.2026 bei Dörr-Agrar über regenerative und digitalisierte Landwirtschaft informiert. Stehend: Andreas Dörr

Die weit fortgeschrittene Digitalisierung trage dabei zum wirtschaftlichen Erfolg bei, was in der kirchlichen Besuchergruppe besonderes Erstaunen auslöste. Beispielsweise verhilft eine detaillierte digitale Kartografierung aller Parzellen bei Dörr-Agrar dazu, dass bis auf den Quadratmeter genau Anbauvorschriften befolgt werden können. Diese könnten sich bei der großen Ausdehnung der Äcker mehrfach ändern, wenn darin Teile des Ackers unter Naturschutzauflagen fallen, andere nicht. Traktoren fahren automatisiert und satellitengesteuert in digital gespeicherten Fahrspuren. Der „Fahrer“ sitzt zwar noch im Cockpit, hat jedoch gleichzeitig mehrere Bildschirme laufen und verrichtet darauf Büroarbeit. Sollte ein technisches Problem auftreten, ist er dennoch zur Stelle und muss sich nicht vom Bürogebäude aus umständlich auf den Weg machen. Durch all diese Bedingungen könne eine vergleichsweise sehr große Fläche mit wenigen qualifizierten Mitarbeitenden bearbeitet werden, so Andreas Dörr. Dies sei, so räumte er ein, jedoch nur durch den Verzicht auf personalintensive Viehhaltung möglich. Entsprechende Apps zur Verwaltung der Flächen, zur Fahrzeugsteuerung, zur Arbeitsplanung und zur Rechnungsführung hat der junge Betriebsführer im Lauf der vergangenen Jahre mit Hilfe der künstlichen Intelligenz entwickelt und vermarktet diese auch weiter. Das sei ein zukunftsträchtiges weiteres Standbein des Betriebs. Die eigenen Kinder wünschten sich für die Ferien allerdings schon mal Urlaub auf einem „echten“ Bauernhof, wo Tiere und Feldarbeit unmittelbar und anschaulich zu erleben sind. Gegen Ende des Vortrags entwickelte sich nach all den Eindrücken ein intensives Gespräch über die Herausforderungen kirchlicher Verwaltungsarbeit und den digitalen Entwicklungsbedarf dafür. Der Blick der anwesenden Pfarrerinnen und Pfarrer, von Diakonin, Religionspädagoge und Verwaltungsmitarbeiterin auf „Landwirtschaft heute und in Zukunft“ hat sich zudem sicherlich erweitert. Vermutlich wird das in manchen Predigten, nicht nur zu Erntedank, auch mal zu bemerken sein.