Bei der jüngsten Synode des Evangelisch-Lutherischen Dekanats Bad Neustadt an der Saale drehte sich vieles, aber nicht alles um die aktuellen kirchlichen Strukturveränderungen. 31 Mitglieder der Synode („Synodale“) waren im Gemeindesaal in Bad Neustadt anwesend und ließen sich nach der Begrüßung durch Dekan Uwe Rasp mit auf ein Boot „in kabbeligem Wasser“ nehmen. Mit diesem Bild versuchte Schulreferentin Michaela Barth (Foto) in ihrer Andacht zu Beginn die Gefühlslage vieler ehrenamtlicher und hauptamtlicher Mitarbeitender zu fassen. Biblischer Bezug war die "Sturmstillung" (Markus 4,35–41). Im zweiten Teil des Abends berichtete sie dann später aus ihrem Zuständigkeitsbereich, dem Religionsunterricht. Die Informationen von dort bewiesen eher „ruhiges Fahrwasser“: 18 kirchliche Lehrkräfte unterrichten an 27 von 60 Schulen im Dekanatsgebiet. Im vergangenen Schuljahr wurden im evangelischen Religionsunterricht insgesamt über 2330 Schülerinnen und Schüler unterrichtet, davon 960 Schülerinnen und Schüler an Grund- und Mittelschulen. Veränderungen in den Rahmenbedingungen gab es in den vergangenen Jahren durch die Ermöglichung neuer „kooperativer“ Unterrichtsmodelle. Dabei werden evangelische, katholische und konfessionslose Kinder (letztere auf Antrag) gemeinsam unterrichtet. Der Unterricht richtet sich mal nach der Mehrheitskonfession der Kinder, mal nach der Konfession der Lehrerin. „Kooperativer Religionsunterricht ist kein ökumenischer, sondern nach wie vor Bekenntnisunterricht, der konfessionssensibel erteilt wird.“, lernten die Synodalen aus dem Mund der Schulbeauftragten.
Zuvor waren die Synodalen aus erster Hand über die aktuelle Situation des „Wellengangs“ informiert worden, in dem die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern sich befindet. Religionspädagogin Carina Sehmisch aus Bad Neustadt ist seit März 2026 Mitglied im „Landessynodalausschuß“, einem kirchenleitenden Gremium. Dort wirkt sie mit an allen Beratungen über die Transformation der bayrischen Landeskirche und konnte daher direkt den Stand der Dinge berichten. Mit offenen Worten machte sie den angezielten Idealzustand einerseits und den schwierigen Weg dorthin deutlich. Die organisatorische Grundstruktur sollen in Zukunft die „Regionalgemeinden“ darstellen, die nach und nach aus den Kirchengemeinden zusammengefügt werden. Diese bleiben als Körperschaften öffentlichen Rechts weiter bestehen, geben aber Kompetenzen an die neuen Regionalgemeinden ab. Das soll den Rückgang von Mitgliedern, Personal, Gebäuden und Finanzen auffangen. Als Leitsatz gilt: „Der Auftrag ist es, Christus miteinander zu leben und einen einfachen Zugang zur Liebe Gottes zu eröffnen. Die Personalgemeinde ist der Ermöglichungsraum dafür.“ Eine „Grundversorgung“ soll in der Fläche erhalten bleiben mit Gottesdiensten, Kasualien (Taufe, Konfirmation, Hochzeit, Bestattung) und Seelsorge. Manche bisher vertrauten und gewachsenen kirchlichen Aktivitäten müssen jedoch bei schwindenden Mitteln folgerichtig eingestellt werden. Alle Strukturentwicklung stehe jedoch, so Carina Sehmisch, unter dem Vorbehalt, dass die bevorstehende Landessynode im November die gesetzliche Grundlage dafür beschließt. Und das sei nicht unumstritten.
In Ergänzung berichtete Dekan Uwe Rasp über den aktuellen Stand der Dekanatsfusionen, die als „mittlere Ebene“ zukünftig entscheidend mehr Verantwortung haben werden, z.B. in den Bereichen Personal und finanzielle Mittel. Für das neue Dekanat Main-Rhön stünden voraussichtlich 51,5 Vollzeitstellen gegenüber bisher 74,5 Stellen zur Verfügung, was etwa einem Stellenrückgang von 34 % entspricht. Die theologischen und theologisch-pädagogischen Mitarbeitenden (PfarrerInnen, DiakonInnen, ReligionspädagogInnen) in den Regionalgemeinden sollen künftig durch Verwaltungsfachkräfte entlastet werden. Diese sind aber in den Stellen mit einkalkuliert. In der folgenden Aussprache waren sich zwar alle einig, dass ein Rückgang der Mitarbeitenden um ein Drittel zu einschneidenden Veränderungen im kirchlichen Leben führen müsse. In mehreren Beiträgen wurde die Aufbruchsstimmung spürbar: Hin zu einem neu gestalteten regionalen Gemeindeleben! In anderen Wortmeldungen wurden deutliche Bedenken formuliert: Werden ehrenamtliche und weniger aktive Gemeindemitglieder die Veränderungen mittragen? Das Boot mit den Jüngern im Sturm, in dem der schlafende Jesus aufgeweckt wird und den Sturm zur Ruhe bringt, bot sich als biblisches Hoffnungsbild an.
Die Planung gemeinsamer Jugendarbeit im zukünftigen Dekanatsgebiet, die Kenntnisnahme der dekanatlichen Jahresrechnung 2025 und ein überregionaler Stand auf dem Deutschen Evangelischen Kirchentag 2027 in Düsseldorf waren weitere Punkte zur Information. Mit dem Segen beendete Dekan Karl-Uwe Rasp die Dekanatssynode pünktlich um 22:00 Uhr.