Die evangelischen Christuskirche war bis auf den letzten Platz gefüllt, als die drei Musiker und die frühere Bischöfin auftraten. Clemens Bittlinger, Pfarrer und Liedermacher, und seine beiden Begleiter David Plüss am E-Piano sowie David Kandert mit der Percussion starteten mit schwungvollen Liedern und luden zum Mitsingen ein. Das wurde kräftig genutzt, besonders bei Kirchen-Hits aus der Feder Clemens Bittlingers wie „Aufstehn, aufeinander zugehn“. Mit teils humorvollen, teils ernsten Ansagen – z.B. der Warnung vor rechtsextremen Tendenzen in Deutschland - führte der Liedermacher durchs Programm. Seinen ersten Auftritt mit eigenen Liedern hatte er damals auf dem Missio-Camp bei Bischofsheim. Inzwischen sind es im Trio mehr als hundert pro Jahr.
Diesmal im „Dialogkonzert“ fügten sich die Liedinhalte mit Lesungen Margot Käßmanns zusammen. Sie machte mit ihren ersten Sätzen klar, dass sie Kirchen und Christen durchaus zur Mitwirkung im Feld der Politik berufen sieht. Dazu las sie zu den Themenbereichen Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung. Dies entspricht den Schwerpunkten des „Konziliaren Prozeß“, den Margot Käßmann selbst als Mitglied des Weltkirchenrates seit 1983 mitgestaltete. Im Weltkirchenrat traf sie auch immer wieder mit dem Moskauer orthodoxen Patriarchen Kyrill zusammen. Nun beklagte sie dessen Absegnung des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine. Aus der Verkündigung Jesu und der christlichen Botschaft ergebe sich dagegen:
„Krieg muss mit allen Mitteln verhindert werden!“
Die Möglichkeiten der Diplomatie müssten stärker ausgeschöpft werden statt nur auf Aufrüstung zu setzen. Wie das konkret z.B. seitens der evangelischen Kirche gegenüber Patriarch Kyrill stattfinden könnte, führte Käßmann nicht aus. Ihre engagierten Worte trafen jedoch auf Zustimmung im Publikum, wie der Applaus und später der Andrang am Büchertisch zeigten, wo Margot Käßmann signierte. Die Botschaft des Abends scheint angekommen zu sein: Dass Christen aus der Verkündigung Jesu zu allen Zeiten Hoffnung schöpfen können und sich damit aktiv in der Welt einbringen sollen. Durch anhaltenden Applaus würdigte das Publikum den Auftritt und konnte mehrere Zugaben genießen.