Büttner

Zu den angenehmen Begleiterscheinungen der zurückliegenden Corona-Wochen gehört die von den meisten Menschen in unserem Land geteilte Erkenntnis, dass unsere Politikerinnen und Politiker in dieser Krise bisher eine ziemlich gute Figur abgegeben haben. In dieser Woche wurde der Ministerpräsident von Baden-Württemberg Winfried Kretschmann ausdrücklich für sein Krisenmanagement gelobt.

Das muss man sich einmal vorstellen: Der Sohn irgendeines Zimmermanns wird von der römischen Besatzungsmacht in irgendeiner Provinz des römischen Reiches hingerichtet. Einer von vielen. Aus der Sicht Roms daher völlig unbedeutend. Der berühmte Geschichtsschreiber Tacitus wird noch 80 Jahre später darüber eine kurze wie falsche Notiz machen. Er nennt die Christen, weil er den Namen „Christus” nur vom Hörensagen kennt, „Chrestianer”. Denn so schien es ja: Jesus stirbt am Kreuz nach nur wenigen Jahren Wirken und alles ist vorbei. Aber es kam anders!

Die goldene Mitte! Welch eine Verheißung liegt auf ihr. Nimmt man zwei sich gegenüber stehende Extreme, dann liegt zwischen ihnen die goldene Mitte. Schon der griechische Philosoph Aristoteles gab den Rat, in jeder Situation seine eigene goldene Mitte zu finden. Demnach müsste eigentlich auch alles Mittelmäßige als golden erachtet werden.

Zu meinen eindrucksvollsten Begegnungen zählt die mit einem älteren jüdischen Ehepaar vor ein paar Jahren in einem Dorf nahe der Fränkischen Schweiz. Hier gab es über Jahrhunderte ein blühendes jüdisches Leben mit einer eigenen Schule und Synagoge. Die Bevölkerung jüdischen Glaubens bereicherte das in dieser Gegend nicht gerade starke wirtschaftliche Leben. Man wusste, was man aneinander hatte. Das endete im November 1938. Im Zuge der Reichspogromnacht wurden auch noch die letzten Juden des Dorfes, die nicht schon vorher weggezogen waren, deportiert.

Es gibt Dinge, die sind so großartig, aber zugleich so selbstverständlich, dass man sie in ihrem Wert kaum mehr wahrnimmt. Das kann zum Beispiel die eigene Ehe sein. Oder eine seit Jahrzehnten bestehende Freundschaft. Oder die in diesen Tag von manchen so gescholtene Europäische Union. Aber wenn man für sie schwärmen wollte, man wüsste nicht, wo man anfangen sollte. Seit über 70 Jahren kein Krieg, keine Verfolgung, kein Hunger. Nach Frankreich fahren ohne Grenzkontrolle und ohne Geld tauschen zu müssen.

Aufgeschlossen - Freundlichkeit und Menschenliebe mws.admin Do, 10/12/2017 - 13:03

Einer der ersten Konflikte innerhalb der noch jungen Christenheit entzündete sich an der Frage, ob ein Mensch, der Christ werden wollten, zunächst vorher noch Jude werden müsste. Dieses Problem war keineswegs an den Haaren herbeigezogen. Denn erstens entstammt das Christentum dem Judentum. Zweitens war die Bibel der Juden (wir nennen sie heute das Alte Testament) von Anfang an die Bibel auch der ersten Christen und ist es bis heute und schließlich waren alle Apostel wie auch Jesus selbst Juden gewesen.

Am vergangenen Samstag war der Festtag Johannes des Täufers. Dessen Mutter Elisabeth, so lesen wir es zu Beginn des Lukasevangeliums, war im sechsten Monat schwanger, als sie von Maria (im ersten Monat schwanger) besucht wird. Johannes kommt also ein halbes Jahr vor Jesus zur Welt: an Johannis wird dessen gedacht. Als Maria zu Elisabeth kommt, wird sie von der mit dem berühmten „Ave Maria” begrüßt. Maria wiederum antwortet mit dem „Magnifikat”. Und dieses hat es in sich, denn da heißt es: Gott stößt die Gewaltigen vom Thron und erhebt die Niedrigen.

Demnächst beginnt die Passionszeit, die sechswöchige auch Fastenzeit vor Ostern. Sie ist eine besondere Zeit im Kirchenjahr. Aber irgendwie scheint uns gegenwärtig auch eine politische Passionszeit ergriffen zu haben: Brexit, erstarkender Nationalismus und Populismus in Europa; und in Amerika ein Präsident, bei dem Fakten und Phantasie regelmäßig durcheinander geraten. Nach der Passionszeit feiern wir in unseren Kirchen das Osterfest. Ostern ist Ausdruck der christlichen Grundgewissheit, dass Gott das Leben über den Tod stellt.

Jesus hat ihr in einem Gleichnis ein Denkmal gesetzt: der armen Witwe, die in den sogenannten Gotteskasten ihr Scherflein einlegt und dabei alles gibt, was sie zum Leben hat. Dieses Alles ist zwar rein rechnerisch nicht viel. Luther gibt in seiner Übersetzung als Gegenwert einen Pfennig an, also einen Cent. Aber ideell gesehen ist es unermesslich viel. Genauso ist es auch beim Danken.