„Seid doch Menschen!“ - Ökumenischer Gottesdienst zum Gedenken an die Opfer des Holocaust

Gedenkgottesdienst am 25.1.2026 in Bad Königshofen: Tina und Lutz Mertten sowie Musikgruppe Spilerey
Bildrechte Evang.-Luth. Dekanatsbezirk Bad Neustadt an der Saale

Vor 81 Jahren, am 27. Januar 1945, befreiten sowjetische Soldaten das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz. Hier hatte das Deutsche Reich unter den Nationalsozialisten zwischen 1940 und 1945 mehr als eine Million Menschen ermordet. Seit 1996 ist der 27. Januar offizieller Gedenktag der Bundesrepublik Deutschland für die Opfer des Nationalsozialismus.

Zeitnah zu diesem Datum fand in Bad Königshofen am vergangenen Sonntag, 25. Januar, abends ein ökumenischer Gottesdienst zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus statt. Der Gemeindesaal der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde Bad Königshofen war voll besetzt. Im Mittelpunkt des Gedenkens stand die Person und die Lebensgeschichte der 2025 im Alter von 103 Jahren verstorbenden Margot Friedlander, einer Jüdin deutscher Herkunft. Sie war eine Überlebende des Holocaust, interniert in Theresienstadt. 1946 emigrierte sie mit ihrem Mann nach Amerika und kehrte erst 2003 in das Land der Täter zurück.

„Mit den Menschen ihrer eigenen Generation tat sie sich oft schwer, weil sie möglicherweise damals mitgemacht hatten. Deshalb ging sie immer wieder in Schulen, erzählte Jugendlichen ihre Geschichte.“, berichtete Pfarrer Luttz Mertten. In ihrem Buch „Versuche, dein Leben zu machen“ berichtet Margot Friedländer (so ihr deutscher Name) von den furchtbaren Erlebnissen ihrer Jugendzeit in Berlin. Durch Lesungen aus dem Werk erinnerte das Pfarrersehepaar Tina und Lutz Mertten an das Grauen, das damals in Europa herrschte. Der katholische Pfarrer Stephan Frank und Gemeindeleiter Otto Funck von der Mennonitengemeinde wirkten mit Gebeten (siehe Download-Datei unten) und Lesungen mit.

Musikalisch erweitert wurden die Texte durch jüdische Lieder und Melodien der Gruppe Spilerey, z.B. den bekannten „Margaritkes“ und „Shpil Zhe Mir A Lidele In Yidish“. Wurde bei „Freunde, dass der Mandelzweig, wieder blüht und treibt, ist das nicht ein Fingerzeig, dass die Liebe bleibt?“ noch mitgesummt, stimmte die Gemeinde dann bei „Hevenu shalom“ kräftig ein.

Mit einem Zitat von Margot Friedlander hatte Lutz Mertten den Gottesdienst eröffnet: „Wir sind alle gleich - es gibt kein christliches, muslimisches, jüdisches Blut. Es gibt nur menschliches Blut. Ihr habt alle dasselbe. (...) Seid doch Menschen!“ Mit dem Gefühl dieser Verpflichtung gingen wohl alle Teilnehmenden nach Hause.