Angedacht - Irdisch noch schon himmlisch sein.

„Irdisch noch schon himmlisch sein.“ Diese Liedzeile hatte ich in der zu Ende gehenden Woche ständig im Sinn. Es waren wohl die Nachrichten über Milliardäre, die in einem Wettkampf die Weiten des Weltraums erobern wollen. Der Treibstoff für diese ersten kurzen Flüge, die die Weiten des Weltenraums mehr zart gekitzelt haben, denn wirklich erobert, der Treibstoff war jeweils unterschiedlich. Trotzdem war ein Teil des Treibstoffs sicher die tiefe Sehnsucht von uns Menschen, der Erdenschwere zu entkommen. Die tiefe Sehnsucht vom All der Tage und dem All der Nächte in das All der unendlichen Weiten zu wechseln. Es ist diese tiefe Sehnsucht nach dem weiten Raum, die uns über uns hinausdenken und uns unsere Gebete gen Himmel schicken lässt. Wenn in Umfragen Menschen gefragt werden, ob sie an Gott glauben, dann antworten sie oft: Ich glaube, dass da noch etwas Größeres ist. Über sich selbst hinauswachsen, sich strecken, den Himmel schon auf Erden finden, diese Sehnsucht ist Treibstoff für unser aller Welt-Raum-Projekte. Und der Gott, dem wir vertrauen, er gibt diesem Treibstoff immer wieder neue Energie. Der Beter des 31. Psalms jubelt: „Du, Gott, stellst meine Füße auf weiten Raum.“ Weiten Raum für Begegnungen unter uns Menschen, mit uns selbst und mit Gott, der den Raum öffnet, indem er sich uns entgegenstreckt. Denn dieser Gott bleibt nicht im Himmel, sondern erdet sich, um uns groß zu machen, unsere Füße, Sinne und Herzen in und auf weiten Raum zu stellen.

Oliver Englert, Pfarrer in der Region Rhön des Dekanatsbezirks Bad Neustadt