Angedacht - Gelähmt von der Hoffnung

38 Jahre war er von der Macht einer Krankheit gelähmt. Gelähmt von der Hoffnung sich selbst Heilung zu verschaffen. Jetzt unternimmt er einen weiteren Versuch. Ein wundertätiger Ort, ein Ort der Heilung. Aber auch hier, findet er zunächst keine Heilung für seine Lähmung. Er ist so nah dran und doch so weit weg. Ein Ort des Heils war in diesem Nest zu finden, eine Sammlung wertvollster und edelster Heilsbruchstücke, Reliquien. Und sie kamen und suchten Heil in der Hoffnung sich selbst zu erlösen im Schauen und Bestaunen der Sammlung, die Friedrich III in Wittenberg zusammengetragen hat. Alle, die die Reliquiensammlung beschauen, sind so nah dran und doch so weit weg, gelähmt in der Hoffnung sich selbst Heil zu verschaffen. Er erzählt von seinem Leben als Selbstoptimierer. Alles, was irgendwie schädlich sein könnte will er selbst vermeiden. Er trinkt nur bestimmtes Wasser, er legt sich jeden Morgen in ein Eisbad, er meditiert. Gelähmt in der Hoffnung sich selbst erlösen zu können. Die Lähmung des kranken Menschen durchbricht Jesus, er reißt ihn aus der Lähmung, schenkt ihm so Erlösung. „Mein Vater ist ständig am Werk. Und ich bin es auch“, so spricht Jesus von sich und Gott im 5. Kapitel des Johannesevangeliums und spricht damit uns, den Kranken, der schon 38 Jahre von seiner Krankheit gelähmt ist, den Selbstoptimierer, die Heilsucher vergangener Tage frei. Gott bringt uns in seinem Sohn Jesus Christus das Heil, das wir uns nicht selbst geben können. Am 31. Oktober vor 502 Jahren hat Martin Luther für die Menschen diese frohe Botschaft wiederentdeckt.

Pfarrer Oliver Englert, Urspringen