Angedacht - Alles hat seine Zeit ...

„Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde: …“, so beginnt das dritte Kapitel des weisheitlichen Buches im Alten Testament mit Namen Prediger Salomo bzw. Kohelet. „Geboren werden hat seine Zeit, sterben hat seine Zeit; pflanzen hat seine Zeit, ausreißen, was gepflanzt ist, hat seine Zeit; … weinen hat seine Zeit, lachen hat seine Zeit; klagen hat seine Zeit, tanzen hat seine Zeit; … Und mir liegt auf der Zunge: Auch unsere Zeit wird wieder kommen! Die Zeit, das zu tun, was unser Bedürfnis ist. Z. B. ein Pfingstfest zu feiern in einem großen Festgottesdienst mit wundervoller Musik, Gesang, … und vielen Menschen. Doch im Moment werden wir zum zweiten Mal die „Geburtsstunde der Kirche“, Pfingsten, mit einem abgespeckten Geburtstagsfest begehen. Wir werden auf eine lange Probe gestellt mit diesem Corona-Virus. Und doch hat das Warten und geduldig sein eine lange, eben auch christliche Tradition. Die ersten Gemeinden warteten auf die nahende Wiederkunft Jesu. Die Korinther lebten, als wären die letzten Tage angebrochen, mit Party, Sauf- und Fressgelagen, Geldverschwendung, … ohne Sorgen vor einem Morgen. Denn der Auferstandene würde sie ja zeitnah ins Himmelreich hineinretten. - Sie mussten von Paulus zur Räson gebracht werden. Und dennoch: Leben, als wäre es der letzte Tag, das steht für Innehalten, Genießen, endlich Wichtiges tun und sagen, … Martin Luther wird in den Mund gelegt: „Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen.“ Das Heute zählt und ist wichtig, so, wie es ist. Ja, es ist im Moment nicht so wie immer: Keine große, bunte Geburtstagsfeier weder zu Pfingsten, noch im privaten Bereich. Aber trotzdem hat jeder Tag die Chance bedeutsam zu sein, eben „anders“ bedeutsam. Gerade da können sich neue Lebensmöglichkeiten öffnen mit einer anderen, unerwarteten Lebensfülle, die wir in unserem eingespielten Alltagstrott sonst nie auf dem Schirm gehabt hätten: Familienzeit, Wandern in der Umgebung, Gespräche mit Nachbarn über den Zaun hinweg, … Dies tatsächlich zu entdecken, tun wir Menschen uns schwer, ist aber möglich. Alles hat seine Zeit, … Da merkte ich, dass es nichts Besseres dabei gibt als fröhlich sein und sich gütlich tun in seinem Leben. Denn ein jeder Mensch, der da isst und trinkt und hat guten Mut bei all seinem Mühen, das ist eine Gabe Gottes.“ Bleiben Sie gesund und behütet!

Ihre Marion Ziegler, Pfarrerin in der Klinikseelsorge am Rhön-Klinikum Campus, Bad Neustadt, und im Schuldienst