Angedacht - Wann wird’s mal wieder richtig Sommer?

Dieses von Rudi Carrell 1975 gesungene Lied ist eines meiner Kindheitserinnerungen. Und er sang uns seinen Text damals tief ins Herz. Wir hatten als Kinder das Gefühl, immer wenn die Ferien kommen, regnet es in Strömen, und wenn wir in der Schule sitzen müssen, ist Freibadwetter. Es war ein Sehnen nach Verzicht auf Pullover und Regenschirm, ein Sehnen nach wohliger Wärme auf der Haut, nach Sonnenschein, der sich beständig hält. Nun ja, das haben wir jetzt!!! Und viele sehnen sich nun nach dem Sommer, wie er früher war, aber eben der andere Sommer, der mit frischen Brisen und ausreichendem Regen.

In der Schöpfungsgeschichte wird beschrieben, wie das mit der Sonne seinen Anfang nahm: „Und Gott machte zwei große Lichter: ein großes Licht, das den Tag regiere, und ein kleines Licht, das die Nacht regiere, dazu auch Sterne.“ (1. Mose 1,16) Ohne dieses Licht, die Sonne, kann keine Schöpfung existieren. Und mit diesen guten Voraussetzungen gab Gott den Menschen den Auftrag: „Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde und machet sie euch untertan ...“  Die Sonne, das Licht stehen als Symbol für Gottes wohltuende Zugewandtheit und Liebe zu den Menschen. Aber schon die Bibel erzählt von einer Art „zu viel“ an Sonne. „Und als die Sonne aufging, schickte Gott einen heißen Ostwind. Die Sonne stach Jona auf den Kopf, sodass er fast ohnmächtig wurde...“ (Jona 4,8) Gott will damit aufmerksam machen, dass etwas im menschlichen Handeln schief läuft. Jona weigert sich, seine ihm von Gott zugedachte Aufgabe wahrzunehmen. Und Gott „sticht ihn“, damit er sich auf das Wesentliche besinnt und das Richtige tut.

Was aber ist das Richtige, bei Jona und bei uns im Leben? Wissen und machen wir es? Manchmal frage ich mich, ob wir Menschen nicht bei allem, was wir tun, über das Ziel hinausschießen – in Unwissenheit, aber auch in Übermut und Hochmut. Ich wünsche mir, dass wir (- bitte ohne großen moralischen Zeigefinger!) unsere menschliche Bestimmung in Gottes Schöpfungsplan in Demut und Achtung vor uns und allen anderen (wieder)finden und erkennen, was es zu tun gibt, zum Wohle aller. Damit wir frohgemut singen können: „Gottes Liebe ist wie die Sonne, sie ist immer und überall da. Streck dich ihr entgegen, nimm sie in dich auf. Sie kann dich verändern, macht das Leben neu…“

Einen schönen Sommer wünscht Ihnen
Marion Ziegler, Pfarrerin in der Klinikseelsorge am Rhön-Klinikum Campus, Bad Neustadt, und im Schuldienst