Angedacht - Geburtstag der Kirche

Das muss man sich einmal vorstellen: Der Sohn irgendeines Zimmermanns wird von der römischen Besatzungsmacht in irgendeiner Provinz des römischen Reiches hingerichtet. Einer von vielen. Aus der Sicht Roms daher völlig unbedeutend. Der berühmte Geschichtsschreiber Tacitus wird noch 80 Jahre später darüber eine kurze wie falsche Notiz machen. Er nennt die Christen, weil er den Namen „Christus” nur vom Hörensagen kennt, „Chrestianer”. Denn so schien es ja: Jesus stirbt am Kreuz nach nur wenigen Jahren Wirken und alles ist vorbei. Aber es kam anders! Drei Tage nach seinem Tod verbreitet sich unter seinen Anhängern die Nachricht: Jesus lebt. Er ist von den Toten auferstanden! Diese Nachricht ist so fantastisch, dass sie nur durch eine zweite Sensation fast überboten worden wäre. Dadurch nämlich, dass die ersten Zeugen von Jesu Auferstehung allesamt Frauen waren. So berichten es alle vier Evangelien im Neuen Testament, obwohl deren Verfasser genau wussten, dass Zeugenaussagen von Frauen keinen Pfifferling wert waren. Aber sie waren überzeugt, dass Jesus lebt. Und sie waren offenbar ebenso überzeugt, dass Frauen der gleiche Stellenwert wie Männern eingeräumt werden müsse. Am fünfzigsten Tag nach Ostern geschieht wieder ein Wunder: die Anhänger Jesu, Frauen und Männer, die sich bisher nur heimlich und im Verborgenen trafen, trauen sich auf einmal hinaus in alle Öffentlichkeit. Und sie rufen es hinaus in alle Welt: „Der, den sie am Kreuz getötet haben, er ist auferstanden, von Gott auferweckt, und lebt. Und weil er lebt, leben auch wir, gleichgültig was kommt und geschieht.“ Fünfzig heißt auf Griechisch pentekoste, wovon sich unser Wort Pfingsten ableitet. Durch diesen Geist von Pfingsten war sie geboren: die Kirche. Sie lebt, weil Jesus lebt und weil sein Geist in ihr wirkt. Sie ist die Gemeinschaft deren, die ihr Leben aus Gottes Hand nehmen, die sich von ihm durch’s Leben geleitet wissen, die aus der Botschaft der Vergebung leben und die an einen neuen Himmel und eine neue Erde glauben und bis dahin beherzt auf dieser Erde tätig sind. Was für eine Gemeinschaft! Paulus bringt es in seinem Brief an die Philipper auf den Punkt: „Seid so unter euch gesinnt, wie es der Gemeinschaft in Christus Jesus entspricht.” (Phil 2,5) Am Sonntag feiern wir das Pfingstfest. Herzliche Glückwunsch zum Geburtstag!

Dr. Matthias Büttner, Dekan in Bad Neustadt