Angedacht - Geborgen bin ich bei Dir, Herr

Im kirchlichen Jahreskreis sind wir mit November und den Totengedenktagen am Ende angelangt, am Ende eines immer wiederkehrenden Jahresablaufes mit den dazugehörenden Ritualen und Festtagen, aber auch deutlich sichtbar, einem „Ende“ in der Natur. Das Blühen, Wachsen und Gedeihen ist mit der Ernte der Früchte, dem Verwelken der Blumen und dem Abfallen des Laubes zu Ende gekommen. Alles Leben kommt zur Ruhe oder scheint zu ersterben. Und doch wissen wir, dass die Natur nur Kraft sammelt, um neu auszutreiben und erneut zum Leben zu erwachen.

Wie ist das mit uns Menschen? Wie ist es mit einem „neuen“ Leben? Oder christlich gefragt, wie ist das mit der Auferstehung? Im Markusevangelium (12,18ff.) führt die Frage nach der Auferstehung der Toten zu einem irritierenden Gespräch zwischen Jesus und den Saduzzäern, einer Gruppe von Freigeistern oder Rationalisten jener Zeit, die nicht an eine leibliche Auferstehung glaubten. So kamen sie mit einer hinterhältigen, konstruierten Geschichte zu Jesus, um diesen Auferstehungsglauben lächerlich zu machen: «Meister, Mose hat uns im Gesetz gesagt: 'Wenn ein verheirateter Mann stirbt und seine Frau ohne Kinder hinterlässt, muss sein Bruder die Witwe heiraten. ... Nun gab es da sieben Brüder. Der erste heiratete und starb ohne Nachkommen. Da heiratete der zweite Bruder die Witwe. Auch er starb kinderlos, und der nächste Bruder nahm sie zur Frau. So ging es weiter, bis die Frau mit allen sieben verheiratet gewesen war, ohne dass sie Kinder bekommen hätte. Schließlich starb auch die Frau. Wessen Frau wird sie nun nach der Auferstehung sein? Alle sieben Brüder waren doch mit ihr verheiratet.» Jesus antwortete ihnen: «Ihr irrt euch, weil ihr in eurem Denken von falschen Voraussetzungen ausgeht, …»

Jesus verweist die Sadduzäer zurück auf den Bericht von Mose und den brennenden Dornbusch (2. Mose 3,6). Dort spricht Gott von sich selbst als einem Gott der Lebenden und nicht der Toten, einem Gott, der sagt: Ich gehe euch in Wüstenzeiten voraus als wegweisende Feuersäule oder Staubwolke, und vor allem als der Gott, der verlässlich zusagt: "Ich bin immer da, wo Du bist.“ Dieses Versprechen endet nicht mit dem Tod. Unser Glaube und unsere Hoffnung lassen uns darauf vertrauen, dass neues Leben nach dem Tod sein wird, dass Auferstehung immer geschieht im Wissen darum, dass es wie ein Fallen in Gottes schützende Hand und Geborgenheit ist (EG 533). So dürfen wir auch am Ende zuversichtlich sagen: „Geborgen bin ich bei Dir, Herr. - Ja, so soll es sein.“

Marion Ziegler, Pfarrerin in der Klinikseelsorge am Rhön-Klinikum Campus, Bad Neustadt, und im Schuldienst