Angedacht - Friede sei mit euch!

Es ist ein ganz alltäglicher Gruß, der die Erstarrung der Jünger durchbricht. „Friede sei mit euch!“ sagt der Auferstandene zu den Jüngern, die sich eingeschlossen haben in ihrer Angst, in ihrem Hin- und Hergerissen sein zwischen Hoffen und der Angst alles verloren zu haben. Es ist gerade, die Einfachheit dieses Grußes, die den Jüngern hilft zu begreifen, was nicht zu begreifen ist, die Angst ist, wie der Tod, seit der Auferstehung Jesu Christi mehr als zweifelhaft. Die Angst jedenfalls kann die Jünger nicht länger festhalten, als das Leben in der Person des Auferstandenen ihre Erstarrung löst. Schnell können solche alltäglichen Worte ihre Kraft, ihre Bedeutung verlieren. Aber im Gruß des Auferstandenen an seine Jünger, an uns liegt eine besondere Kraft, eine besondere Bedeutung. Das kleine Wort Frieden, es bedeutet: Glück, Heil, Wohlsein, Ganz-Sein, Wahrheit, Echtheit. In diesem Wort hat den Vorgeschmack des Paradieses auf den Lippen, auf der Zunge. Frieden ist in unserer Welt immer auch gefährdet. Heute am 8. Mai werden wir an das Ende des Zweiten Weltkriegs vor 75 Jahren erinnert. Bei uns herrscht seitdem Frieden, in der Welt aber wird an vielen Orten Krieg geführt. Nur selten dringen die Nachrichten über die zahlreichen Konflikte zurzeit an unser Ohr, aber sie sind da. Und trotzdem kündet das Wort Frieden noch von mehr, von einem Frieden, der erst noch kommt, einem Frieden, der unsere Welt über sich hinausführt, einen Frieden, der alle Angst und Erstarrung überwindet.

Pfarrer Oliver Englert, Urspringen, Oberwaldbehrungen, Nordheim